Versorgungsengpässe durch Atomausstieg?

Mai 18th, 2009 von admin

Die deutsche Atomindustrie hat anlässlich der Jahrestagung Kerntechnik wiederholt vor einem massiven Versorgungsproblem in Folge eines Atomausstiegs gewarnt. Außerdem wurde der Ökostrom-Branche eine Allianz vorgeschlagen.

Atomforum-Präsident Hohlefelder zeigte sich auf der Tagung besorgt über die “Unwissenheit” vieler Verbraucher und öffentlicher Personen bezüglich den Folgen der geplanten Abschaltung von sieben der 17 deutschen Atomkraftwerke. Die Konsequenzen seien enorm und würden dazu führen, dass eine Versorgungssicherheit ebenso wenig erreicht werden könnte wie die Klimaschutzziele. Darüber hinaus würden die Verbraucher durch höhere Strompreise belastet und “der Wirtschaftsstandort Deutschland ganz erheblich geschwächt”. Im Zusammenhang mit diesen düsteren Aussichten stünde vor allem die noch nicht weit genug fortgeschrittene Stromspeichertechnik der erneuerbaren Energien, so Hohlefelder nach Informationen der “Welt”. Die Grundlast könnte von den schwankenden Wind- und Solarparks nicht zuverlässig aufrecht erhalten werden. Dabei müsste der Ökostrom eigentlich zusätzliche 20 Prozent dieser Grundlast sowie weitere zehn Prozent der Stromversorgung tragen, sollte der Atomausstieg wie geplant in der kommenden Legislaturperiode verwirklicht werden.
Um diesen Risiken vorzubeugen, legte Hohlefelder einen Kompromissvorschlag auf den Tisch. Eine Allianz aus Atom- und Ökoindustrie solle die Übergangszeit ins Ökozeitalter regeln, so der Lobbyist. Dabei würden die durch die Laufzeitverlängerung gewonnenen Mehreinnahmen zu großen Teilen in die Förderung regenerativer Energien und der Energieeffizienz fließen.

Ökobranche hält dagegen

Den negativen Prognosen Hohlefelders widerspricht Bundesumweltminister Gabriel in der “Süddeutschen Zeitung”: Die Stromlücke sei “eines der ältesten Propagandamärchen der Atomlobby”, kritisiert er. Auch die Deutschen Energie-Agentur sieht keinen Grund zur Laufzeitverlängerung. Das Angebot zu einer Kooperation wurde darüber hinaus vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) heftigst abgelehnt. Die Atomlobby seien “falsche Freunde, die uns mit vergifteten Geschenken lähmen wollen”, schimpfte ein BEE-Sprecher gegenüber der “Welt”.
Mit welchen Methoden letztendlich die nächsten Jahre überbrückt werden, in denen die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut und schließlich voll einsatzfähig sein sollen, hängt vor allem an einem Datum: dem 27. September 2009. Dann findet die Bundestagswahl statt – und die Wähler entscheiden, ob der Atomausstieg mit einer linken, SPD-geführten Mehrheit so gut wie beschlossene Sache ist oder die Laufzeitverlängerung mit Hilfe von CDU und FDP eine mögliche Stromknappheit verhindert.

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